Ingo Wagner



Der Kommunismus ist modern. Lenin und die Epoche

Beitrag auf der Berliner Lenin-Konferenz am 09. März 2002


Lenin gehört mit Marx und Engels zu den revolutionären Führern der Arbeiterklasse, denen mit Fug und Recht das Prädikat Klassiker zukommt. Das theoretische Genie Marx sah seine Aufgabe darin, die Welt nicht nur zu interpretieren, sondern zu verändern. Lenin war gleichfalls mit der Kraft eines Genies ausgestattet. Als schöpferischer Theoretiker des Marxismus und Mann der revolutionären Tat konnte er in Anwendung der allgemeinen Grundsätze des Marxismus auf die neue Situation mit der Oktoberrevolution geschichtsbildend in den Gang der Entwicklung unserer Welt eingreifen und dem ersten sozialistischen Durchbruch seinen Stempel aufdrücken. In dieser Sicht ist er wohl die größte historische Persönlichkeit des 20. Jahrhunderts. Dass er von den Bourgeoisie-Sozialisten in der PDS auf den Index gesetzt wird, verwundert nicht. Ihm bei der Formierung und Pflege eines zeitgemäßen marxistischen Denkens einen wesentlichen, substantiellen Platz einzuräumen - das ist gleichermaßen dringend geboten und unerlässlich. Den Organisatoren dieser Arbeitskonferenz gebührt deshalb Dank für ihr Anliegen.


Als Lenin am 21. Januar 1924 starb, schrieb Trotzki einen Tag später in Tiflis am Bahnhof: “Lenin ist nicht mehr, aber der Leninismus besteht. Das Unsterbliche in Lenin - seine Lehre, seine Arbeit, seine Methode, sein Beispiel -, sie leben in uns, in der Partei, die er schuf, in dem ersten Arbeiterstaat, dessen Haupt und Führer er gewesen ist.”1)Insofern bin ich Willens, auch von Leninismus zu sprechen - allerdings nicht in einer Intention, die die Stalinsche Deformationen des Marxismus mit ihren praktisch-politischen und ideologischen Folgen involviert. Dabei verkenne ich nicht, dass auch in dieser Zeit des parteiamtlichen “Marxismus-Leninismus” hervorragende marxistische, leninistische Ergebnisse erzielt wurden, die leider immer mehr der Vergessenheit anheimfallen.


Wenn man sich heute mit Lenin beschäftigt, darf nie vergessen werden, daß der Marxismus einer ständigen historischen Entwicklung unterworfen ist. Lenin selbst schrieb hierzu: “Unsere Lehre, sagte Engels von sich und seinem berühmten Freund, ist kein Dogma, sondern eine Anleitung zum Handeln. In diesem klassischen Satz ist mit wunderbarer Kraft und Prägnanz jene Seite des Marxismus hervorgehoben, die sehr oft außer acht gelassen wird. Wenn wir sie aber außer acht lassen, machen wir den Marxismus zu einer einseitigen, missgestalteten, toten Lehre, nehmen wir ihm die lebendige Seele, untergraben wir seine fundamentale theoretische Grundlage - die Dialektik, die Lehre von der allseitigen und widerspruchsvollen historischen Entwicklung, untergraben wir seinen Zusammenhang mit den bestimmten praktischen Aufgaben der Epoche, die sich bei jeder neuen Wendung der Geschichte ändern können.”2)Diese Worte wurden am 23. Dezember 1910 publik. Das Wechselspiel der epochalen historischen Entwicklung hat nun bis in unsere Zeit - vor allem von der Oktoberrevolution, der Geburt des staatlichen organisierten Sozialismus, seiner widerspruchsvollen Entwicklung bis zu seiner Niederlage - viele “neue Wendungen der Geschichte” hervorgebracht. Und “folglich mussten ...im Marxismus als einer lebendigen Lehre jeweilsverschiedeneseiner Seiten in den Vordergrund treten.”3)Aber nicht nur das. In den Vordergrund traten nach und nach auch Deformationen des realen Sozialismus in Erscheinung - in Synthese mit einer sehr ernsten Krise des Marxismus. Mit der Niederlage des Sozialismus und dem Niedergang der herkömmlichen kommunistischen Weltbewegung führte dies auch zur Aufgabe des Marxismus durch politische soziale Kräfte, die sich als Linke bezeichnen. Hiervon zeigt anschaulich auch die programmatische Diskussion in der PDS.


Hieraus leite ich ab,dass gegenwärtig und wahrscheinlich für eine längere Zeit “der entschlossene und hartnäckige Kampf für dieGrundlagendes Marxismus ... wieder auf die Tagesordnung” tritt.4)Es gilt wohl sinngemäß, was Lenin im Dezember 1910 hinsichtlich des Zerfalls innerhalb des Marxismus als Aufgabe stellte: “Die Ursachen für die Unvermeidlichkeit dieses Zerfalls in der gegenwärtigen Zeit zu begreifen und sich zu seiner konsequenten Bekämpfung zusammenzuschließen ist deshalb für die Marxisten im unmittelbarsten und genauesten Sinne des Wortes die Aufgabe der Epoche.”5)In unserer Zeit hat dieser Zerfall gewaltige Ausmaße angenommen. Denn auch innerhalb marxistischer Kräfte zeigt sich theoretische Konfusion. Dies verlangt einerseits gegen alle Versuche Front zu machen, den Marxismus durch bürgerliche Denker zu “ergänzen” und so seine originäre Substanz zu eliminieren; andererseits wäre es grundfalsch, einen undialektischen Bogen von Marx, Engels, Lenin bis hin zu Stalin zu spannen, der sich einer marxistischen historisch-theoretischen Analyse verweigert. Das führt zum dogmatischen Tod des Marxismus. Vielmehr gilt es, den folgenden methodologisch-theoretischen marxistischen Leitsatz für die notwendige Entwicklung des Marxismus anzuwenden:Jede (theoretische und normative) These muss historisch betrachtet und mit den aufhebenswerten Errungenschaften der modernen Sozialwissenschaften und den konkreten Erfahrungen der Geschichte verbunden werden.Nur so können neue theoretischen Einsichten gewonnen werden. Die marxistische Theorie zeigt sich insofern alsErfahrungswissenschaft, und dies schließt ein, die von den bürgerlichen “modernen” Wissenschaften aufgezeigten Tatsachen - insofern sie einer wissenschaftlichen Bearbeitung überhaupt zugängig sind - aufzugreifen und in die Erkenntnis sozialer Prozesse mittels der Marxschen Methodologie einzubeziehen; Nach Lenin ist es die Aufgabe der Marxisten “zu verstehen, sich die von diesen ‚Kommis’ gemachten Errungenschaften anzueignen und sie zu verarbeiten ... und zuverstehen, die reaktionäre Tendenz derselben zu verwerfen, dereigenenLinie zu folgen ...”6)Diese historische Entwicklung des Marxismus involviert aber auch, sich von solchen edlen Irrtümern zu lösen, von denen Marx, Engels und Lenin als Giganten des revolutionären Gedankens nicht frei waren - als Ausdruck “revolutionärer, heroischer Ungeduld” oder durch Grenzen der Erkenntnismöglichkeit der damaligen Zeit verursacht. Kurzum: Ohne eine solche marxistisch-leninistische Positionierung gibt es keine marxistische Theorieentwicklung.


Der heutige marxistische Erkenntnisforschritt tangiert zweifelsohne mit dem Problem, unsere Zeit zu begreifen. Sie kann man aber nicht begreifen, ohne die gegenwärtige Epoche zu verstehen und diese kann man nicht erkennen ohne die Leninsche Imperialismustheorie für einen (möglichen) Gang der Weltgeschichte in Richtung einer kommunistischen Zivilisation zu nutzen und weiterzuführen. Nur aus dieser Sicht wird deutlich, dasKOMMUNISMUSmodern ist.


Den eigenen gegenwärtigen Ort der Geschichte zu bestimmen, um hieraus eine solche wirklich menschliche Zukunft ableiten zu können, ist natürlich schwierig, weil sich hier ganz verschiedene komplizierte Problemlagen bündeln. Mit Blick auf das vor uns liegende Jahrhundert: Marxisten sind keine Propheten. Sie wissen zwar, dass die bereits von Marx erkannte geschichtliche Notwendigkeit des Sozialismus herangereift ist, damit die vergesellschaftete Menschheit national und universal ihren gesellschaftlichen Lebensprozess unter ihre gemeinschaftliche Kontrolle nehmen kann, um für sich selbst, für künftige Generationen und die Übereinstimmung von Natur und Gesellschaft herstellen zu können. Sie wissen aber auch, dass die Geschichte offen ist und sich einer Sinngebung entzieht. Und sie wissen, dass dies nicht ihrer tendenziellenGerichtetheitwiderspricht, die unterschiedliche alternative Trends innerhalb eines Spektrums real möglicher Entwicklungswege involviert. Insofern ist diese Offenheit nicht absolut; sie ist vielmehr relativ. Dies bedeutet: Obwohl wir das Ergebnis historisch-gesellschaftlicher Aktionen erst im nachhinein kennen, kann der Mensch jederzeit verändernd in den Lauf der Geschichte eingreifen und damit auch - früher oder später - eine sozialistische gesellschaftliche Neuorganisation auf den Weg bringen.Die Alternative Sozialismus oder Barbarei kann also in welthistorischer Sicht durchaus zugunsten des Sozialismus entschieden werden.Weder die Niederlage des Sozialismus noch der entfesselte Kapitalismus schaffen diese geschichtliche Möglichkeit aus der Welt. Obwohl an eine solche Voraussage zwar weder wissenschaftlich strenge Genauigkeitsgrade noch logische Beweisregeln angelegt werden können - dies verbietet die Natur des Gegenstandes -, ist sie also keinesfalls irreal. Allerdings weiß niemand, wie sich ein welthistorischer Gang in eine nachkapitalistische sozialistische Gesellschaft - die das Tor für eine kommunistische Gesellschaft weit öffnen wird - in concreto hinsichtlich seiner Tempi sowie in welchen evolutionären und revolutionären Formen und Abläufen in kapitalistischern Zentren und in den Peripherien vollziehen wird. Insofern blicken wir ins Dunkle. Und dies betrifft auch das geschichtliche Zeitmaß dieses Fortschritts. Manche hoffen auf eruptive plötzliche Veränderungen. Aus der Niederlage des realen Sozialismus wird auch abgeleitet, dass qualitative Umwälzungen in absehbarer Zeit nicht zu erwarten sind. Ausgehend davon, dass der durchgebildete Kapitalismus auf eigener Grundlage seit ca. 200 Jahren existiert und sein Vorgänger, der Feudalismus ca. 1300 Jahre dauerte, werden erhebliche längere Zeitabschnitte - bis zu einigen Jahrhunderten - ins Kalkül gezogen. Ohne mich an dieser Stelle an dieser Debatte zu beteiligen, möchte ich vielmehr zunächst auf einen (oder einige) Sachverhalt(e) verweisen, die mit der Bestimmung des gegenwärtigen Geschichtsortes und mit den hieraus gewonnenen theoretischen sowie strategisch-politischen Orientierungen in Beziehung stehen.


Die Niederlage des Sozialismus in Europa und der Niedergang der herkömmlichen kommunistischen Weltbewegung hat auch in unserem Land unter Marxisten zu differierenden Auffassungen geführt. Dies zeigt sich ebenfalls in der Epoche-Bestimmung, aus der ganz unterschiedliche strategisch-theoretische Folgerungen abgeleitet werden - so auch eine solche, die die herkömmliche traditionelle Bestimmung alsEpoche des Übergangs vom Kapitalismus zum Sozialismus generellverwirft. So kann man lesen: Der frühere Anspruch der kommunistischen Bewegung, die Geschichte befände sich bereits in der “Epoche des weltweiten Übergangs vom Kapitalismus zum Sozialismus” sei passé, da das in seiner imperialistischen Ausprägung widererstanden Globalsystem den größten Teil der Welt voll im Griff hat. “Wo ist da etwas von Sozialismus oder von einem Übergang zu diesem Ziel zu entdecken? ... Durch welche Brille muss man eigentlich schauen, um so penetrant an den offenkundigen Tatsachen vorbeizugehen?”7)


Tatsache ist natürlich, dass diese Niederlage arge Fehleinschätzungen dieser herkömmlichen Epochenbestimmung offenbarte. Und eine unbestreitbare Tatsache ist auch, dass mit dieser Niederlage die Formierung eines geschichtsmächtigen Subjekts, die die Chance eines neuen sozialistischen Anlaufs eröffnen könnte, wahrscheinlichlängererhistorischer Fristen bedarf. Hieraus wird abgeleitet, dass wir in einer “Epoche der Konsolidierung des Imperialismus und der erneuerten (sachlichen) Produktivkräfte-Basis” leben, wie Robert Steigerwald meint.8)


Uwe-Jens Heuer hat dieses Problem auf seinen theoretischen Punkt gebracht. Er ersetzt zunächst die Epoche des Übergangs vom Kapitalismus zum Sozialismusüberhauptdurch eineandereEpochegliederung - in Anlehnung an Eric Hobsbawm -, die im zwanzigsten Jahrhundert als Epoche mit dem Ausbruch des Ersten Weltkrieges beginnt. “Das Ende der osteuropäischen sozialistischen Staaten und der Sowjetunion in den Jahren 1990/91 war das Ende der Epoche, die 1914 begonnen hatte.”9)Dass so die weltgeschichtliche Rolle der Oktoberrevolution als die historischpraktisch-politischeZäsur einer neuen Epoche der Weltgeschichte auf einen nachgeordneten Platz verbannt wird und die größten weltgeschichtlichen Impulse, die von ihr - vor allem von Osteuropa und von Asien - ausgingen relativiert werden, kann kaum bestritten werden.10)Aber nicht nur das.


Heuer beantwortet die Frage, in welcher Epoche leben wir heute? wie folgt:“Die Epoche seit 1990 ist vom Sieg des Kapitalismus, von einer neoliberalen Offensive gekennzeichnet, die gegenwärtig noch immer fortschreitet, deren Ende nicht abzusehen ist. Aber noch ist die Epoche nicht an ihrem Ende, werden Gegenkräfte geweckt. Wir sollten an der Notwendigkeit einer sozialistischen Alternative festhalten, auch wenn wir weder Ziel noch Wege heute genauer beschreiben können.”11) Diese Epochebestimmung impliziert auch die Absage an ihre Charakterisierung als Epoche des Übergangs vom Kapitalismus zum Sozialismus. Er meint: Eine solche “Definition, die ja eigentlich nur eine Beschreibung war, hatte keine analytische Kraft mehr, bot nur einen allgemeinen, noch dazu weitgehend illusionären Rahmen, in die beliebige Ereignisse eingepasst werden konnten.”12)Die Hauptaufgabe der marxistischen Linken bzw. Intellektuellen sei es, antikapitalistisches Denken zu erhalten sowie wahrheitsgetreue und wirksame antikapitalistische Analysen zu liefern und diese “möglichen Subjekten einer Änderung” zur Verfügung stellen.13)


In vielem bin ich mit Heuer einverstanden. Wie bereits gesagt: Die Zusätze, mit denen die Bestimmung der Epoche es Übergangs vom Kapitalismus zum Sozialismus in der Vergangenheit ergänzt wurde, entsprachen nicht (mehr) der gesellschaftlichen Wirklichkeit; und dass mit unserer Niederlage eine tiefgreifende historische Zäsur eintrat - ein “Epochenbruch” -, ist historische Tatsache, an der man nicht vorbeigehen kann.Ihre Folge ist meines Erachtens ein historischer konterrevolutionärer Restaurationszeitraum, der in Korrelation mit der sogenannten Globalisierung im modernen Kapitalismus vermittels neoliberaler Politik als “Epoche” (Periode) existent ist.Dass in diesem Rahmen auch der verabscheuungswürdige internationale Terrorismus als verbrecherisches Stigma dieser Epoche fungiert, bedarf hier wohl kaum einer weiteren Erläuterung. Wird allerdings die Epoche seit 1990 als eine solche gekennzeichnet, dienur “vom Sieg des Kapitalismus, von seiner neoliberalen Offensive gekennzeichnet (ist), die gegenwärtig noch immer weiter fortscheitet, deren Ende nicht abzusehen ist”,14) so wird tieferen Einsichten für den möglichen historischen Weg der Menschheit in eine kommunistische Zukunft der Boden entzogen.


Im Unterschied zu Heuer betrachte ich diesen Zeitabschnitt nicht als einesolche“Epoche”, die die Epoche des Übergangs vom Kapitalismus zum Sozialismus gänzlich verdrängt.Für mich gibt es keine nachvollziehbaren Gründe, die tradierte Epocheauffassung generell zu den historischen Akten zu legen und durch eine Version zu ersetzen, die nur in den Bahnen der Gliederung des Imperialismus verbleibt.Diese überlieferte Bestimmung bedarf natürlich zweifelsfrei einer zeitgemäßen Präzisierung - nicht nur in geschichtswissenschaftlicher Hinsicht, sondern in der marxistischen Betrachtung überhaupt. Und hierfür ist sicherlich eine enorme marxistische Denkarbeit erforderlich, um die Epocheformel als wirklichkeitsgerechte mit methodologischer Relevanz zu gestalten. Meine diesbezügliche Auffassung hierzu - verbunden mit Lösungsansätzen - habe ich in einem Vortrag “Epoche und sozialistische Programmatik” auf der parteiübergreifenden wissenschaftlich-politischen Konferenz des Marxistischen Arbeitskreises zur Geschichte der deutschen Arbeiterbewegung bei der Historischen Kommission der PDS, der Marx-Engels-Stiftung e. V. Wuppertal und der Geschichtskommission der DKP, die am 22. und 23. September 2001 in Berlin stattfand, vorgetragen. Ich verweise Interessenten auf die Schrift “Linke Programmdebatte in der Bundesrepublik Deutschland, GNN Verlag 2001, die die Materialen dieser Konferenz enthält.


Im Konnex dieses Vortrages kann ich - unter Ausklammerung vieler theoretischer Grundfragen allgemeiner Art - nur meinHauptanliegenkurz skizzieren. Dass dieser gesamte Problemkomplex einer weiteren gründlichen Debatte bedarf, versteht sich.


Ausgehend davon: a) dass sich Epochebewegungen überhaupt in historischer Zeit vollziehen, b) es klare Abgrenzungen der Epochen von der einen zur anderen nicht gibt.Epochen überlappen und durchdringen sich.c) Es nur dann Sinn hat von “Epoche” zu reden, wenn sich die in deren Begriff erfasste soziale Bewegung ausgeprägt hat oder bestimmte andere objektive Bedingungen real geworden sind - wenn die Epochebestimmung so eine Hauptkomponente und -richtung der gesellschaftlichen Entwicklung erfasst - ist meine Hauptthese:Die Epoche des Übergangs vom Kapitalismus zum Sozialismus ist eine Epoche des epochalen Übergangs:denn sie vermittelt nicht nur die zeitliche Folge, sondern auch die dialektische Verklammerung mit der Epoche des Kapitalismus insgesamt - eingebunden in das welthistorische Zeitmaß eines solchen epochalen Übergangs. Damit gerät die Frage desepochalenÜbergangs, der Überlappung und Durchdringung von Epochen ins Blickfeld.


Ein solches Bild ist mit kurzzeitigen Abläufen einer sozialistischen revolutionären Weltbewegung unvereinbar. Hiervon ausgehend:Die Oktoberrevolution stellt nicht den Beginn der Epoche des Übergangs vom Kapitalismus zum Sozialismus dar,denn der Anfang dieser Übergangs-Epoche “entfaltete sich embryonal wesentlich früher - tatsächlich seit dem und mit dem Entstehen der modernen Arbeiterklasse ...”15)Mit dem Kommunistischen Manifest artikulierten Marx und Engels die Interessen der modernen Arbeiterklasse theoretisch in programmatischer Intention als wissenschaftlicher Sozialismus. Ihre Erwartungen, dass aus dieser sozialen Revolutionkurzfristigpolitische Revolutionen mit proletarischen Charakter hervorgehen, gehören zur edlen Linie des marxistischen Irrtums in der Dimension der historischen Zeit. Marx selbst hat später mit der vollen Herausbildung des Kapitalismus der freien Konkurrenz vermerkt, dass er in jener Zeit noch stark unter dem Einfluss der Großen Französischen Revolution stand und insofern historisch verkürzt dachte. Aber nichtsdestotrotz zeigt sich historisch-logisch so, dass die Epoche des Übergangs vom Kapitalismus zum Sozialismus im Kapitalismus von Anfang an keimhaft angelegt ist. Insofern zeugt bereits das “Kommunistische Manifest vom Beginn der zu bestimmenden Epoche und des Epochen-Bewusstseins und nimmt in wissenschaftlicher Prognose mit normativen Anspruch das Ganze vorweg.”16) Mit der Oktoberrevolution wurde die Epoche des Übergangs zum Sozialismus zunächst auf einen historisch-konkreten Begriff gebracht:Der Sozialismus begann zunächst alsStaatsordnunghistorisch real zu existieren. Lenin sprach in seinem Aufsatz “Zum vierten Jahrestag der Oktoberrevolution” indiesemSinne von der Einleitung einer neuen Epoche der Weltgeschichte17)Den beginnenden Aufbau des Sowjetstaates betrachtete er als die Einleitung einer neuen Epoche der Weltgeschichte: als “Epoche der Herrschaft derneuenKlasse, die in allen kapitalistischen Ländern unterdrückt ist ...” Und die Oktoberrevolution schuf für diese “Schaffung eines noch nie dagewesenenTypusder Staatsordnung”18)zunächst die geschichtlichen Voraussetzungen - allerdings “nur” dafür, dass unter (bekannten) historisch-konkreten Bedingungen der sozialistische Brückenkopf über viele Jahrzehnte gegen die schlimmsten Angriffe verteidigt und ausgebaut werden konnte.

Die Oktoberrevolution leitete somit nicht denBeginndes Übergangs vom Kapitalismus zum Sozialismus ein, sondern vielmehr “eine qualitative Zäsur von allerhöchster Geschichtsträchtigkeit”19)zu den von Lenin anvisierten neuen weltgeschichtlichen Typus der Staatsordnung ein, die die Übergangsepoche bereits als Epoche in neuer Qualität sieht. Diese Korrektur der gebräuchlichen diesbezüglichen Bestimmung der Übergangsepoche involviert zugleich, in wahrhafthistorischenDimensionen in die Zukunft zu denken - siehistorischnach vorn zu denken - als epochalen Übergang in Richtung einer kommunistischen Zivilisation. Die Niederlage des Sozialismus und der Beginn einer neuen Epoche des modernen Kapitalismus, die die Epoche des Imperialismus als Imperialismusweiterführt, bedeuten somit nicht das Ende der Übergangsepoche vom Kapitalismus zum Sozialismus.


Die Antwort, die hierfür spricht, hat viele Aspekte. In Kürze:


Der mit der Oktoberrevolution eingeleitete praktisch-politische Übergang von der kapitalistischen zur sozialistischen Gesellschaftsordnung hat zwar 1989 - 1991 eine arge Niederlage erlitten, konnte aber nicht beseitigt werden. Eine Reihe von Ländern halten trotz aller Schwierigkeit an ihrem sozialistischen Weg fest. So (auch) China. Im Programm der Kommunistischen Partei Chinas heißt es: “Das Endziel der Partei besteht in der Errichtung der kommunistischen Gesellschaftsordnung.”20)Aber noch befindet sich China “in der Anfangsphase des Sozialismus. Das ist ein historischer Abschnitt, der beim sozialistischen Aufbau und der Modernisierung in den wirtschaftlich und kulturell rückständigen China nicht übersprungen werden kann. Dafür ist ein Zeitraum von hundert Jahren erforderlich.”21)Wenn der Sozialismus in China voll erwacht, wird die Welt erbeben, der epochale Übergang vom Kapitalismus zum Sozialismus mächtige Impulse erhalten. Ergo. Die Niederlage des realen Sozialismus ist einehistorisch zeitweilige, die keineswegs den Prozess der Epoche des Übergangs vom Sozialismus ein jähes Ende setzte.


In diesem historischen Konnex sei an eine wesentliche Komponente der inneren Dialektik dieser Übergangsepoche erinnert. Schon Marx hat in Auswertung der Niederlage der Pariser Kommune an diesem historisch-konkreten Ereignis erkannt, dass die Arbeiterklasse “lange Kämpfe, eine ganze Reihe geschichtlicher Prozesse durchzumachen hat, durch welche die Menschen wie die Umstände gänzlich umgewandelt werden.”22)Und Rosa Luxemburg vermerkte, dass “eine so gewaltige Umwälzung, wie die Überführung der Gesellschaft aus der kapitalistischen in die sozialistische Ordnung, ganz undenkbar (ist) auf Einen Schlag, durch Einen siegreichen Streich des Proletariats... Die sozialistische Umwälzung setzt einen langen und hartnäckigen Kampf voraus, wobei das Proletariat allem Anschein nach mehr als einmal zurückgeworfen wird ...”23)Und diese Überlegungen wurzeln in der (abstrakt-allgemeinen) Erkenntnis von Marx, dass “dann eine Epoche sozialer Revolution” eintritt, wenn aus “Entwicklungsformen der Produktivkräfte... diese Verhältnisse in Fesseln derselben um(schlagen).”24)


Entscheidend für den welthistorischen Fortgang der Epoche des Übergangs vom Kapitalismus zum Sozialismus ist in meinen Augen allerdings derobjektiveSachverhalt, dass wesentliche Elemente der sozialistischen bzw. kommunistischen Gesellschaft bereits im Kapitalismus selbst verborgen liegen. Eine Marxsche Grundidee der materialistischen Gesellschaftsauffassung lautet: “Eine Gesellschaftsformation geht nie unter, bevor alle Produktivkräfte entwickelt sind, für die sie weit genug ist, und neue höhere Produktionsverhältnisse treten nie an die Stelle, bevor die materiellen Existenzbedingungen derselben im Schoß der alten Gesellschaft selbst ausgerüstet worden sind.”25) Auch der Sozialismus muss in diesem Sinne “im Schoße der alten Gesellschaft selbst ausgebrütet” werden. Marx schrieb in seinem Werk “Der Bürgerkrieg in Frankreich”, dass die Arbeiterklasse “keine fix und fertigen Utopien durch Volksbeschluss einzuführen” und auch “keine Ideale zu verwirklichen” hat; “sie hat nur die Elemente der neuen Gesellschaft in Freiheit zu setzen, die sich bereits im Schoß der ... Bourgeoisiegesellschaft entwickelt haben.”26)Und auch Luxemburg sprach davon, dass es mittels der “gänzlichen Aufhebung des kapitalistischen Systems” gilt, “den Kern der sozialistischen Gesellschaft aus der ihm widersprechenden kapitalistischen Hülle herauszuschälen.”27)


Mit dem Kapitalismus der freien Konkurrenz begann dieses Ausbrüten des Sozialismus im Schoße der alten Gesellschaft; es signalisierte dieAnfangsphasedes epochalen Übergangs vom Kapitalismus zum Sozialismus. Mit der Geburt des Imperialismus und seiner Entwicklung war dieses Ausbrüten bereits direkt mit der historischen Genesis der Lehre von Marx und der Arbeiterbewegung und dem Schicksal der proletarischen Revolutionen verknüpft. In unserer Zeit des Überganges zum “digitalen” Kapitalismus involviert das Maß des Ausbrütens in meinen Augen bereits die objektiv-reale Möglichkeit und Notwendigkeit einer letztlich kommunistischen Zivilisation. Ergo: Dieser historisch-objektive Sachverhalt involviert, dass im Schoße des modernen Kapitalismus in zunehmendem Maße wesentliche Strukturelemente eines neuen Sozialismus ausgebrütet werden - und zwar als Ergebnis des wissenschaftlich-technischen Fortschritts, der nicht nur den Widerspruch zwischen Privateigentum an den Produktionsmitteln und dem allgemeinen Charakter der Arbeit vertieft. Als Folge der wissenschaftlich-technischen-elektronischen Revolution im modernen Kapitalismus zeigt sich diese materielle “Vorbereitung” der kommunistischen Produktionsweise ebenfalls zunehmend sozial in neuer Qualität. Vor allem durch die enorme Steigerung der Arbeitsproduktivität bilden sich bereits jetzt in den entwickelten kapitalistischen Ländern Momente der von Marx abstrakt formulierten Charakteristika der kommunistischen Gesellschaft als “welthistorischer Vorgriff” in noch kapitalistischer Hülle heraus. Sie nehmen Züge einer hervortretenden Tendenz an, wie zum Beispiel als Überwindung der den Menschen knechtenden Arbeitsteilung, des Gegensatzes von geistiger und körperlicher Arbeit. Diese mehrdimensionale innere dialektische Widerspruchsverdichtung und -bewegung des gegenwärtigen Kapitalismus in seiner Epochenrelevanz, die zugleich die widerspruchsvolle Entwicklungskomponente des epochalen Übergangs zum Sozialismus involvierte, drängt historisch notwendig auf Sozialismus und hält “die Epochebewegung auf der Höhe der Zeit und bei ihrem Gehalt.”28)


Hieraus sind zwei Folgerungen abzuleiten. Eine erste: Es gibt ebenfalls einen BestandsolcherobjektivenBedingungen, die auch in der gegenwärtigen - wahrscheinlich historischlängeren- Zeit der Schwäche der subjektiven Seite des Epochemaßes dafür sprechen, dass der epochale Übergang vom Kapitalismus zum Sozialismus alsobjektiver Prozess besonderer historischer Artweitergeht. Die zweite:Und dieses Reifen der kommunistischen Zukunft der Menschheit im modernen Kapitalismus selbst ist in meinen Augen ein Prozess sozialer Revolution.In concreto:


a) Es ist für unsere Thematik aufschlussreich, dass Engels bei seiner Analyse der Geburt des Proletariats durch die industrielle Revolution in England zugleich vermerkte, dass dadurch England “auch in eine universellere, eine soziale Revolution hereingerissen (wurde) ...29)Die Revolution Englands ist eine soziale und daher umfassender und eingreifender als irgendeine andere. Es gibt kein noch so entlegendes Gebiet menschlicher Erkenntnis und menschlicher Lebensverhältnisse, das nicht zu ihr beigetragen und wiederum von ihr eine veränderte Stellung erfahren hätte. ... und diese soziale Revolution ist in England schon seit siebzig oder achtzig Jahren im Gange ...”30)

b) Engels bezieht sich hier offensichtlich auf die Epoche desAufstiegsder Bourgeoisie, die zunächst mit ihrem vollen Sieg endete. In dieser Zeit schuf die Bourgeoisie die moderne Arbeiterklasse Und damit setzte zugleichembryonalder epochale Übergang vom Kapitalismus zum Sozialismus ein. Jedoch im Kapitalismus der freien Konkurrenz erlaubte der Vergesellschaftungsgrad der Produktionde factonoch nicht, mit dem Übergang von der kapitalistischen zur sozialistischen Produktionsweise praktisch-politisch zu beginnen. Der mit der Herausbildung und Entwicklung des kapitalistischen Imperialismus einhergehende Vergesellschaftungsgrad - worauf später im Konnex der Leninschen Imperialismustheorie zurückgekommen wird - war zwar noch nicht ausreichend für diekommunistischeProduktionsweise, aber er eröffnete die Möglichkeit des Übergangs zu einer sozialistischen Produktionsweise. Insofern fällt er mit der Notwendigkeit sozialistischer Revolutionen und des Sozialismus selbst zusammen.

c) In unserer Zeit zeigt sich diese historische Entwicklungsdialektik so, dass einerseits diese politisch-revolutionäre Notwendigkeit infolge der Schwäche der Gegenbewegung zunächst noch als abstrakte Möglichkeit existiert, während andererseits der Vergesellschaftungsprozess der Produktion (im Rahmen des Imperialismus) durch den revolutionären wissenschaftlich-technischen Fortschritt eine solche Qualität erreicht, die bereits einekommunistischeProduktionsweise involviert - eine reale Möglichkeit, deren Umsetzung an die Aufhebung der ökonomischen, politischen und ideologischen Macht des Monopolkapitals als der größten Barriere für den weltweiten gesellschaftlichen Fortschritt gebunden ist. Wesentlich für denobjektivenFortgang des epochalen Übergangs letztlich zum Kommunismus ist, dass im Gefolge der Revolution in Wissenschaft und Technik eine neue Produktionsweise auf der Grundlage einer umfassenden Computerisierung der materiellen und geistigen Produktion - wenn gleich noch ans Kapitalverhältnis gefesselt - entsteht.Und hier handelt es sich zugleich um eine soziale Revolution größten Ausmaßes, die das mögliche zukünftige Sein oder Nichtsein der menschlichen Gattung tangiert.Diese Epoche-Gesetzmäßigkeit des modernen Kapitalismus setzt sich beschleunigt durch. Sie “’überholte’ (bereits) den langsamen Gang der sozialistischen Entwicklung”31)Insofern trug sie so zur Niederlage des Sozialismus bei. Selbst in den Kernländern des modernen Kapitalismus kann diese soziale Revolution für die Betroffenen durchaus katastrophal sein.Aber substantiell wesentlich ist, dass die übergreifende Gesetzmäßigkeit, die die Epoche des modernen Kapitalismus charakterisiert, zugleich die Notwendigkeit ihrer eigenen Negierung - ihrer Ablösung durch die kommunistische Gesellschaftsformation - eingeleitet durch den Sozialismus - involviert. Der moderne Kapitalismus enthält - wenn auch kapitalistisch geformt und deformiert - eine solche latente Substanz seinereigenenNegation, die Marx als Parameter einer (sozialistisch-) kommunistischen Gesellschaft betrachtete.Herausgelöst aus dem historisch-konkreten Raum des 19. Jahrhunderts drängen sie als Abstrakta zu einer Synthese mit dem historisch konkreten Gang in unserer Zeit. Insofern zeigt sich die sozialistische und kommunistische Gesellschaft in realen Entwicklungstendenzen des modernen Kapitalismus selbst - zunächst noch in Latenz. “Die ‚neue Welt’ existiert ... bereits in der ‚alten’ Form einer gewaltigen, nur bisher ungenutzten evolutionären Potenz.”32)Es handelt sich hier offensichtlich um einen solchen epochalen Kulminationspunkt, den Marx hinsichtlich der Entwicklung der ökonomischen Gesellschaftsformation “als einen naturgeschichtlichen Prozeß” auffasst.33)


In dieser Sicht istKOMMUNISMUS modern- obwohl das Fortbestehen des kapitalistischen Systems das größte Hindernis auf dem Wege in eine solche sozialistisch kommunistische Zivilisation ist. Es kann schließlich nicht übersehen werden, das es viele Diskurse und Weltentwürfe bis ins bürgerliche Lager hinein gibt, die das Jenseits vom heutigen Kapitalismus im Visier haben. So stellte beispielsweise Arno Peters ein Projekt des Nachkapitalismus ohne Ausbeutung, Herrschaft und Entfremdung vor.34)Diese Suche nach einem neuen historischen Projekt wird weitergehen.Ist es nicht auch an der Zeit, über den wirklichen Ausweg KOMMUNISMUS als welthistorische Alternative zu reden?Ich folge hier Gerhard Branstner: “In letzter Instanz ist der Sozialismus durch den Kommunismus bestimmt. Der Kommunismus ist (in seiner gedanklichen Vorwegnahme) ‚Ursache’ des Sozialismus und zugleich Beweis von dessen Möglichkeit und Notwendigkeit.”35)Insofern ist der “Kommunismus eine Denknotwendigkeit. Ohne ihn kann man kein Problem zu Ende denken. Und umgekehrt: Konsequent zu Ende denken ist Kommunismus.”36)Und: “Der Kommunismus ist das Gesetz der Vernunft.”37)


Jedoch: Ohne Leninsche Imperialismustheorie - ohne ihre generelle Anerkennung und Präzisierung sowie die Verortung von diesbezüglichen Kernaussagen inwirklich historischenDimensionen, kann man Kommunismus nicht modern denken. Deshalb einen abschließenden Exkurs zur Sache.


Lenins Imperialismustheorie, die auf der Kapitalismusanalyse von Marx aufbaut und diese fortführt, bedarf zwar in meinen Augen der Präzisierung - bleibt aber unentbehrlich wie eh und je. Alle diesbezüglichen Daten belegen die von ihm aufgezeigten Hauptmerkmale des Imperialismus und ihrer Verankerung in der Grundstruktur des Kapitalismus.38) Der kapitalistische Imperialismus war, ist und bleibt seinem ökonomischen Wesen nach Monopolkapitalismus.In unserer Zeit ist er in steigendem Maßedekadenter, parasitärer, sterbenderKapitalismus. Die Ungleichmäßigkeit seiner ökonomischen Entwicklung in korrelativer (Kombination) Verknüpfung der gesellschaftlichen Struktur und Entwicklung insgesamt, sein “Drang nach Gewalt und Reaktion”39)seine “Tendenz zur Stagnation und Fäulnis”40)und damit die Vertiefung seiner ihm innewohnenden Widersprüche werden zunehmend von der realen Wirklichkeit des modernen Kapitalismus bestätigt und offengelegt - so durch den “langfristigen Krieg” der USA, der alle Merkmale eines imperialistischen Krieges um die Neuaufteilung der Welt und ihre Energiereserven - vor allem im Mittleren Osten und in Zentralasien - aufweist. Dass ich innerhalb dieses Imperialismus zugleich eine widerspruchsvolleEntwicklungvollzieht, gehört zum ABC der Dialektik. Lenin selbst hat solche Trends “registriert”: Bei der Analyse der Banken und ihrer neuen Rolle erwähnt er, dass aus “dem zersplitterten Kapitalisten ... ein einziger kollektiver Kapitalist” entsteht.41)Und die “Bildung von internationalen Kartellen” betrachtete er als “eine neue Stufe der Weltkonzentration des Kapitals und der Produktion, eine unvergleichlich höhere Stufe als die vorangegangenen. Wir wollen sehen, wie diese Übermonopole heranwächst.”42)Heute tritt nach und nach an die Stelle eines primär im nationalstaatlichen Rahmen organisierten Kapitals ein transnationaler Kapitalismus;43)er kennzeichnet eine neue Stufe der Konzentration und Zentralisation des Kapitals - ohne dass diese zur Eliminierung des Staates führt, dessen neoliberale Politik eine entscheidende Voraussetzung für das weitere Voranschreiten der Internationalisierung der Monopolisierung bleibt. Diese - und andere, auch neue - Erscheinungen des gegenwärtigen Imperialismus verbleiben im Rahmen der Grundstruktur des Kapitalismus. Die “tiefste ökonomische Grundlage des Imperialismus (ist) das Monopol. Dieses Monopol ist ein kapitalistisches, d. h. ein Monopol, das aus dem Kapitalismus erwachsen ist und im allgemeinen Milieu des Kapitalismus, der Warenproduktion, der Konkurrenz .... steht.”44)Das war, ist und bleibt so.


Diese Entwicklunginnerhalbdes Imperialismus ist auch auf den Begriff zu bringen - ob als Phase, Etappe, Zug oder Stufe sei dahingestellt. Im Konnex dieses Beitrages ist relevant, dass Lenin seine Imperialismustheorie mit Überlegungen über den Fortgang der sozialistischen Weltrevolution und einer kommenden sozialistischen Gesellschaftsordnung verband: “Der Imperialismus ist der Vorabend der sozialen Revolution des Proletariats. Das hat sich seit 1917 im Weltmaßstab bestätigt.”45)Dies schrieb Lenin mit Datum vom 6. Juli 1920 im Vorwort zur französischen und deutschen Ausgabe seines Werkes “Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus.”46)Und in diesem - mit Blick auf die zaristische Zensur abgefasst: Die Folge der Wandelung der Konkurrenz zum Monopol “ist ein gigantischer Fortschritt in der Vergesellschaftung der Produktion .. In seinem imperialistischen Stadium führt der Kapitalismus bis dicht an die allseitige Vergesellschaftung der Produktion heran, er zieht die Kapitalisten gewissermaßen ohne ihr Wissen und gegen ihren Willen in eine Art neue Gesellschaftsordnung hinein, die den Übergang von der völlig freien Konkurrenz zur vollständigen Vergesellschaftung bildet.”47)Lenin meint, dass diese “Vergesellschaftung der Produktion .... der gewaltige Fortschritte der Menschheit (ist), die sich bis zu dieser Vergesellschaftung emporgearbeitet hat”.48)Und: “Der Imperialismus erwuchs als Weiterentwicklung und direkte Fortsetzung der Grundeigenschaften des Kapitals überhaupt. Zum kapitalistischen Imperialismus aber wurde der Kapitalismus erst auf einer bestimmten, sehr hohen Entwicklungsstufe, als einige seiner Grundeigenschaften in ihr Gegenteil umzuschlagen begannen, als sich auf der ganzen Linie die Züge einer Übergangsperiode vom Kapitalismus zu einer höheren ökonomischen Gesellschaftsformation herausbildeten und sichtbar wurden.”49)Aus dieser Bestimmung des ökonomischen Wesens des Imperialismus als Monopolkapitalismus folgert Lenin: “Schon dadurch ist der historische Platz des Imperialismus bestimmt, denn das Monopol ... bedeutet den Übergang von der kapitalistischen zu einer höheren ökonomischen Gesellschaftsformation...50)Aus allem, was über das ökonomische Wesen des Imperialismus gesagt wurde, geht hervor; daß er charakterisiert werden muß als Übergangskapitalismus oder, richtiger, als sterbender Kapitalismus.”51)


Offensichtlich ist:Lenin legt nach Marx und Engels in jener historischen Zeit der imperialistischen Epoche weitere theoretische Fundamente des epochalen Übergangs vom Kapitalismus zum Sozialismus.Dass Lenin diese Frage während des ersten Weltkrieges (auch und zunehmend) mit dem revolutionären Aufbruch der Arbeiterklasse verband, war für die Bestimmung der bolschewistischen Taktik unentbehrlich.52)Lenin verklammerte diese historische Phase des Imperialismus, der imperialistischen Kriege und der proletarischen Revolutionen mit der Formierung eines solchen “subjektiven Faktors” - der Arbeiterklasse - der objektiv die subjektive Hauptvoraussetzung für diesen weltweiten epochalen Übergang vom Kapitalismus zum Sozialismus werden könnte. Seine Analyse der “objektiven Bedingungen des Übergangs von der einen Epoche zur andern”53)- hat diese Intention.


In historischer Retrospektive: Die Niederlage des Sozialismus sowie das Aufkommen einer neuen Imperialismusepoche zeigen auf der historisch-konkreten Ebene des Epochendaseins einehistorische Differenzan. Ein mannigfaltiges Abweichen der historisch-konkreten Praxis vom Leninschen theoretischen “Fahrplan” der Übergangsepoche ist offensichtlich. Diese Crux sozialistischer Theorie und Praxis setzt aber weder die historische Notwendigkeit dieses Übergangs außer Kraft, noch kann sie Anlass sein, das diesbezüglichen Leninschen theoretischen Gedankengut zu den historischen Akten zu legen. Gefragt ist vielmehr eine solche dialektisch-materialistische Positionierung, die dieses Gedankengut fortführt und es hinsichtlich des Charakters des epochalen Übergangs zum Sozialismus auf eine zeitgemäße theoretisch-methodologische Grundlage stellt. Und dies macht auch Korrekturen nötig. Dies soll nunmehr im Konnex dieses Vortrages angedeutet werden.


Es wurde bereits ausgeführt, dass der Sozialismus nach Marx “im Schoße der alten Gesellschaft selbst ausgebrütet” wird - diesen Gedanken bekräftigt und entfaltete Lenin in seiner Imperialismusanalyse und seiner Wertung des Imperialismus alssterbenderKapitalismus: “Es ist begreiflich, warum der ImperialismussterbenderKapitalismus ist, denÜbergangzum Sozialismus bildet: das aus dem Kapitalismus hervorwachsende Monopol istbereitsdas Sterben des Kapitalismus, der Beginn des Übergangs in den Sozialismus. Die gewaltigeVergesellschaftungder Arbeit durch den Imperialismus (was sie Apologeten, die bürgerlichen Ökonomen, ‚Verflechtung’ nennen) hat dieselbe Bedeutung.”54)


Aus heutiger Sicht kann man durchaus “kritische” vermerken, dass durch die Einlagerung dieser Aussage in die damalige historisch-konkrete revolutionäre Situation eine “Verkürzung” dieses Sachverhaltes erfolgte sowie eine ökonomische Analyse in bezug auf eine weiterhinoffeneEntwicklung des Kapitalismus unterblieb. Lenin konnte selbstverständlich weder das Ende des realen Sozialismus noch die jetzige Restauration des Kapitalismus im Weltmaßstab erfassen. Jedoch aussolchenhistorisch objektivierten “Unzulänglichkeiten”, die keiner wissenschaftlichen Voraussicht zugängig sind, abzuleiten, dass diese These Lenins in Frage stellen sein, wie dies gelegentlich auch von Marxisten erfolgt,55)halte ich für falsch.Im Gegenteil! Der abstrakt-allgemeine Wesenskern dieser These zeigt sich erneut historisch-konkret auf einer höheren Stufe in unserer Zeit.Die damaligen Kartelle und Trusts, die Lenin in seiner Imperialismustheorie als Schwelle zum Sozialismus betrachtete, stehen allerdings wie kleine Kinder zu den heutigenMultisundTransnationals. Das Reifen des Sozialismus - überhaupt des Kommunismus - im Schoße der heutigen Phase des kapitalistischen Imperialismus zeigt sich so - wie bereits erörtert - als eine solcheneueQualität, in der sich ein Kulminationspunkt weltgeschichtlichen Übergangs vom Kapitalismus zum Sozialismus manifestiert. Hierbei handelt es sich um einen zutiefst objektiv-gesetzmäßigen Prozess in einer wirklichhistorischenDimension, die nicht nur die Mängel und Irrtümer unserer herkömmlichen Epochebestimmung “hinter sich” gelassen hat, sondern gleichfalls die Irrtümer von Marx, Engels und Lenins hinsichtlich des historischen Zeitmaßes des gesellschaftlichen Fortschritts in Richtung Sozialismus als praktisch-politische Aktion und theoretische Voraussicht. Und eine solche Positionierung ist gleichfallsnicht unmittelbarmit revolutionären Ausbrüchen großen Stils und historisch-konkret mit dem Fortgang der sozialistischen Revolution auf unseren Planeten gekoppelt. Nur so können wir - um eine Formulierung von Gerhard Branstner einzuführen - “uns endlich und endgültig unseres Ortes in der Geschichte sicher sein.”


Wer sich allerdings nicht bemüht, die Leninsche Imperialismustheorie weiterzudenken, sondern sie beiseite legt, legt auch das eigentliche Fundament beiseite, worauf das moderne Begründungsgefüge beruht, welches den sich objektiv, mit “Naturgesetzlichkeit” vollziehenden epochalen Übergang vom Kapitalismus zum Sozialismus theoretisch formiert. Damit ist weiterer Erkenntnisgewinnung der Weg verbaut.


De facto gehört herzu (leider) aber die Meinung von Heuer, wonach dieGlobalisierungder “Schlüsselbegriff der Epochenbestimmung” sei.56)Er fragt, ob wir nicht eine Epoche vor uns haben, “in der ein entfesselter Kapitalismus sich die ganze Welt total unterordnet und dann diese Welt nicht zuletzt durch die Zerstörung des ökologischen Gleichgewichts zu Grunde richtet?”57)Diese Gefahr besteht zweifelsohne. Fakt ist allerdings - und das “übersieht” Heuer -, dass mit dieser Epoche zugleich die neue Produktionsweise der künftigen kommunistischen Gesellschaftsformation heranreift; und zwar als Indiz des epochalen Übergangs vom Kapitalismus zum Sozialismus - einer Gesellschaftsform, die als zutiefst universalistisches Projekt der menschlichen Emanzipation die universalistische kapitalistischen Gesellschaftsformation ablösen wird. Diese Epoche des Übergangs vom Kapitalismus zum Kommunismus und die Epoche des modernen Imperialismus - letztere hat Heuer im Auge - sind miteinander verklammert. “Diese beiden Epochen sind verbunden durch das Scharnier, das auf der einen Seite des absterbenden Systems Imperialismus und auf der Seite des neuen Systems Sozialismus als der ersten Stufe der Epoche des Kommunismus heißt.”58)In meinen Augen ist die tiefste inneren Triebkraft dieser objektiven welthistorischen Dialektik allerdings nicht die sogenannte Globalisierung - auch nicht für die reale Epoche des heutigen Imperialismus -, sondern die mächtige Internationalisierung des Kapitals, die bereits von Marx und Engels im Kommunistischen Manifest registriert wurde, die sich im kapitalistischen Imperialismus mächtig entfaltet und die mit dem Übergang zum “digitalen” Kapitalismus als neuer Erscheinungsform des Imperialismus fungiert.


Abschließend: eine solche Positionierung involviert natürlich zugleich, dass zwischen der durchaus historischen realen Möglichkeit der Errichtung einer kommunistischen Gesellschaftsformation und der Wirklichkeit noch Welten liegen. Lassen wir uns von Lenins Ratschlag leiten, der überhaupt generell gilt, dass “die sich vor unseren Augen abspielenden höchst wichtigen geschichtlichen Ereignisse ... sich nur begreifen (lassen), wenn man in erster Linie die objektiven Bedingungen des Übergangs von der einen Epoche zur anderen analysiert.”59)Dass gegenwärtig die imperialistische Bourgeoisie im Mittelpunkt der neuen Epoche des Imperialismus steht “und ihren wesentlichen Inhalt, die Hauptrichtung ihrer Entwicklung, die wichtigsten Besonderheiten der geschichtlichen Situation”60)bestimmt, steht außer Zweifel. Zwar - wie Lenin meinte: “Wir können nicht wissen, mit welcher Schnelligkeit und welchem Erfolg sich einzelne geschichtliche Bewegungen der jeweiligen Epoche entwickeln werden.”61)Aber wir wissen um den (dargestellten)objektivenFortgang des epochalen Übergangs vom Kapitalismus letztlich zum Kommunismus. Und hieraus könnten sich mit der erneuten Formierung eines geschichtsmächtigen Subjekts in längeren historischen Fristen zugleich Chancen für einen neuen sozialistischen Anlauf ergeben. Aber noch bezieht sich die Vielfalt der sozialen und politischen Gegenbewegung nicht - oder kaum - auf den Marxismus, der sich hinsichtlich diesen Gegenkräften noch in “Ruhestellung” befindet. Und gerade dies macht unter den Linken eine solche sozialistische Partei notwendig, die mit ihrem Kampf für die unmittelbaren Lebensinteressen aller arbeitenden Menschen und für radikale antiimperialistische Reformen zugleich die sozialistische Zukunft in der gegenwärtigen linken Bewegung vertritt und hierfür zugleich das notwendig theoretische Bewusstsein formiert. Dabei werden wir es wiederum mit der historischen Differenz als Crux sozialistischer Theorie und Praxis zu tun haben, die wir permanent theoretisch-methodologisch auszuloten haben. Denn: “In und mit den gewaltigen Widersprüchen auch der ‚historischen Differenz’ ist unsere Epoche die des weltgeschichtlichen Übergangs vom Kapitalismus zum Sozialismus.”62)


Die hier vorgestellte Positionierung ist meines Erachtens ein wesentlicher Hauptweg, um tiefere Einsichten in das theoretische Feld und den realen Kampfboden des Kampfes um die Aufhebung des modernen Kapitalismus und seine Ersetzung zunächst durch eine sozialistische Gesellschaft vermitteln zu können. Sie könnte auch das empirisch-praktische Subjektwerden für diesbezügliche gesellschaftliche Veränderungen befördern. Aber ohne Lenin, ohne einen modernen Leninismus in der fortzuschreibenden Leninschen Tradition ist dies nicht zu haben.


  1. L. Trotzki: Über Lenin. Material für einen Biographen, Essen 1996, S. 172.
  2. Werke, Bd. 17, S. 23.
  3. Ebenda, S. 24.
  4. Ebenda, Sie 27. Lenin formulierte deshalb eine solche Aufgabe, weil sich in der damaligen (konkreten) Zeit Erscheinungen des Zerfalls des Marxismus zeigten.
  5. Ebenda, S. 28.
  6. Werke, Bd. 14. S. 347.
  7. M. Höfer: Das Erreichte und das Nichterreichte. In: unsere Zeit vom 7. September 2001.
  8. R. Steigerwald: Gründliche Analysen versuchen. In: unsere Zeit vom 31. August 2001.
  9. U.-J. Heuer: In welcher Epoche leben wir? In: Zeitschrift für marxistische Erneuerung Nr. 44, Dezember 2000, S. 75.
  10. Das 20. Jahrhundert war das ”erste, in dem der Sozialismus nicht nur ideelles Ziel, sondern auch als materielle, reale, wirklich gesellschaftliche Umgestaltung und Gestaltung, als revolutionierende Praxis hervorgebracht wurde.” (E. Kopf, in: Weisenseer Blätter 4/2000, S. 75)) Das 20. Jahrhundert war eben nicht nur das Jahrhundert blutigster Weltkriege, barbarischster, nämlich faschistischer Machtausübung, das Jahrhundert von Auschwitz und der Atompilze über Hiroschima und Nagasaki. Kopf kritisiert eine Position zur Charakterisierung der gegenwärtigen Epoche von A. Charlamows (Marxistische Blätter 1/2000, S. 49), die auch den Kern meiner Kritik an Heuer berührt, wie folgt: “Sie erwähnt nicht, daß unter Führung von Kommunisten und Sozialisten kapitalistische und koloniale Ausbeutung von Millionen Menschen in wichtigen Regionen der Erde überwunden, das Auschwitz und andere KZ befreit, daß der Faschismus militärisch geschlagen, von 1945 bis 1981 große internationale Kriege, die zum Wesen des Imperialismus gehören sowie der Einsatz von Kernwaffen verhindert und friedliche Aufbauarbeit zum Wohle ganzer Völker ermöglicht wurde.” (Ebenda, siehe FN 12).
  11. U.-J. Heuer: In welcher Epoche ..., a. a. O., S. 88.
  12. Ebenda, S. 83.
  13. Ebenda, S. 88.
  14. Ebenda.
  15. W.-D. Gudopp: Das Maß der Epoche. In: Wissenschaft und Sozialismus e. V. Unveränderter Nachdruck der Hefte 1 & 2, S. 17.
  16. Ebenda, S. 15 f.
  17. Siehe Werke, Bd. 33, S. 31 ff.
  18. Ebenda, S. 35.
  19. W.-D. Gudopp: Das Maß der Epoche, a. a. O., S. 17.
  20. Programm der Kommunistischen Partei Chinas, Sonderheft; Rolf Berthold: 80 Jahre Kommunistische Partei Chinas - kurzer historischer Überblick und Programm der Kommunistischen Partei, Berlin, S. 11.
  21. Ebenda, S. 12.
  22. MEW, Bd. 17, S. 343.
  23. R. Luxemburg, Sozialreform oder Revolution, Leipzig 1899, S. 55.
  24. MEW, Bd. 13, S. 9.
  25. MEW, Bd. 13, S. 9.
  26. MEW, Bd. 17, S. 343.
  27. R. Luxemburg: Sozialreform ..., a. a. O., S. 53.
  28. W.-D. Gudopp: Das Maß der Epoche, a. a. O., S. 38.
  29. MEW, Bd. 1, S. 552.
  30. Ebenda, S. 550.
  31. W.-D. Gudopp: Das Maß der Epoche, a. a. O., S. 26.
  32. B. Ollmann: Dialektik - Warum gerade jetzt?. In: UTOPIE kreativ, H. 103/104 1999, S. 32.
  33. MEW, Bd. 23, S. 16.
  34. Siehe A. Peters: Computer-Sozialismus, Berlin 2000; ND vom 25. Mai 2000; junge Welt vom 20/21. und 24. Mai 2000.
  35. G. Branstner: Revolution auf Knien oder Der wirkliche Sozialismus, Berlin 1997, S. 136.
  36. Ebenda, S 133.
  37. Ebenda, S. 137.
  38. Aus der Fülle der diesbezüglichen Literatur verweise ich nur auf die vorzügliche Studie von Herpal Brar: Imperialismus. Dekadenter, parasitärer, sterbender Kapitalismus. “Der Imperialismus ist der Vorabend der sozialistischen Revolution des Proletariats”, Darmstadt. Diese Schrift wurde Anfang 1997 in englischer Sprache veröffentlicht und danach in die deutsche Sprache übersetzt.
  39. W. I. Lenin, Werke, Bd. 22, S. 273.
  40. Ders., ebenda, S. 281.
  41. Werke, Bd. 22, S. 218.
  42. Ebenda, S. 250.
  43. Siehe R. Cervantes Marinez, F. Gil Chamizo, R. Regalado Alvarez, R. Zardoya Loureda: Imperialismus heut. Über den gegenwärtigen transnationalen Monpolkapitalismus, Essen, 2000.
  44. W. I. Lenin, Werke, Bd. 22, S. 280 f.
  45. Werke, a. a. O., S. 198.
  46. A. a. O., S. 191 ff.
  47. A. a. O., S. 209.
  48. A. a. O., S. 211.
  49. A. a. O., S. 269 f.
  50. A. a. O., S. 304.
  51. A. a. O., S. 307.
  52. Siehe W. I. Lenin: Unter fremder Flagge. In: Werke, Bd. 21, S. 125 ff.; ders.: Der Zusammenbruch der II. Internationale, a. a. O., S. 199 ff.
  53. Werke, Bd. 21, S. 134.
  54. Werke, Bd. 23, S. 104.
  55. So beispielsweise Gretchen Binus in einem Vortrag “Zur Leninschen Imperialismusanalyse aus heutiger Sicht”. In: Geschichtskorrespondenz. Marxistischer Arbeitskreis zur Geschichte der deutschen Arbeiterbewegung bei der historischen Kommission der PDS, Mitteilungsblatt, Nr. 1/3. Jhg. Januar 1997, S. 17 ff.
  56. U.-J. Heuer: In welcher Epoche ..., a. a. O., S. 78. “Globalisierung” ist ein arg schillernder Begriff und aussichtsreicher Kandidat für das meistgebrauchte Wort der letzten Jahre. Er bedarf jedes Mal der Entschlüsselung im jeweiligen Konnex der diesbezüglichen Sachkonstellation. Hierbei ist allerdings abzuheben, dass dieser “Begriff” als eine Erfindung der neoliberalen Politik des Imperialismus das Licht der Welt erblickte. Wenn Marxisten diesen Begriff aus pragmatischen Gründen verwenden, sollte er eine inhaltliche Prägung aus Sicht der Leninschen Imperialismustheorie und ihrer zeitgemäßen Präzisierung erhalten. Heuer geht aber einen anderen Weg. Seine Bestimmung erschöpft sich in Anlehnung an bereits Veröffentlichtes mit Hinweisen auf die Beschreibung von globalen technischen und ökonomischen Verläufen, die im Äußerlichen stecken bleiben.
  57. Ebenda, S. 80.
  58. M. Sohn: Epochenbegriff und Perspektiven des Klassenkampfes. In: Weißenseer Blätter, 1/2000, S. 24.
  59. Werke, Bd. 21, S 134.
  60. Ebenda.
  61. Ebenda.
  62. W.-D: Gudopp: Das Maß der Epoche, a. a. O., S. 34.